Lebensgeister 


Muckibude oder Park? Diese Frage stellte sich mir heute Morgen, nachdem ich die vergangenen Monate als Karteileiche vor mich hingeschlummert hatte und ca. tausend Ausreden hatte, nicht zum Sport zu gehen — zugegebenermaßen waren tatsächlich ein paar gute dabei.

Wer den Sommer in Ostfriesland kennt, weiß, dass es diesen so gar nicht gibt. In diesem Jahr saß ich bis zum heutigen Tag in der eigentlich wärmsten Jahreszeit gefühlt fünfmal auf der heimischen Terrasse. Mein Wunsch, diesen wunderbaren Spätsommermorgen nicht bei Kunstlicht und schlechter Musik zu verbringen, kollodierte jedoch mit dem Bedürfnis und der Notwendigkeit, mich endlich mal wieder körperlich zu verausgaben. Leider gewann ich vor längerer Zeit den Eindruck, dass mein Körper Laufen nicht wirklich mag. Aber wer sagte mir, dass das noch immer so war? So zog ich also meine Laufschuhe an und ließ mich von meiner Playlist berieseln und treiben. Nach 300m befand ich mich auf der Allee, welche zu dem wunderschönen Schlosspark führt, und begann meine Schritte der Musik anzupassen. Glücklicherweise war kaum jemand unterwegs, denn ich lief quasi tanzend. Ebenso wie beim Tanzen überließ ich der Musik meinen Körper. Und wie ich mich so fortbewegte, fühlte ich mich einerseits frei und andererseits eins mit der Natur. Die wenigen Menschen, die mir begegneten, nahm ich kaum wahr. Bei einem meiner kurzen Stops blieb mir Zeit für eine Aufnahme. Nach 4km, für den Anfang nicht schlecht, wie ich finde, bin ich nun wieder zuhause. Einmal mehr bestätigte sich für mich, dass man Vorhaben umsetzen kann und dennoch einen Spielraum hat. Dieses Beispiel mag profan anmuten, ist aber auf viele Situationen übertragbar. Manchmal genügen auch Kleinigkeiten, um die tägliche Routine zu durchbrechen. Alleine wenn man einen anderen Weg zur Arbeit nimmt oder Aufgaben in einer anderen Reihenfolge erledigt — so möglich — kann man auf diese Weise der Monotonie des Alltags entgegenwirken, ohne sich von Wochenende zu Wochenende zu hangeln. Manches, von dem man denkt, es müsse, wenn überhaupt, so oder so erledigt werden, ist nur in unserem Kopf wichtig. Innezuhalten und das zu erkennen hat was Befreiendes. Und dann hat man auch wieder Platz für Dinge, die man wirklich tun möchte — so klein und einfach diese auch sein mögen. Und jetzt gehe ich meine demente Schwiegermutti besuchen. Die freut sich dann nämlich auch noch…

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