Blick zurück im Zorn? Lieber nicht…


Wir werden geboren, stoßen den ersten Schrei aus und befinden uns am Anfang einer Reise — möglicherweise gespickt mit Zielen, Ausgang unbekannt.
Für viele beginnt das Abenteuer „Leben” unter einem, sagen wir mal, schlechten Stern. Andere haben das Glück, in den weichen Schoß einer Familie zu fallen, die hegt und pflegt.

Manche bewegen sich stetig nach vorne, Wachstum linear. Bei anderen gleiten die Wachstumswerte ins Negative ab, während es wiederum welche gibt, wohl die häufigere Variante, wo Hausse und Baisse einander in Abständen abwechseln.

Klingt ziemlich nüchtern, nicht wahr? Dabei geht es doch auch und vor allem um Emotionen, um unsere Psyche, wenn wir an die Entwicklung unserer Persönlichkeit denken. Das Körperliche ist oft eine Frage der Zeit: wir werden größer und kräftiger. Aber der Rest? Was ist mit dem?

Vielleicht liegt der Vergleich in der Natur des Menschen. Am Ende schadet er jedoch — uns selbst und in der Beziehung mit anderen. Wer vergleicht, fühlt sich im Extremfall überlegen oder betrogen. Aber sich über andere zu stellen, weil man vielleicht vom Schicksal geküsst ist oder sich als Verlierer zu betrachten, wird für uns selbst und in Beziehungen zu anderen Menschen zum Störfeld, zieht uns nach unten wie das Blei an den Füßen eines Tauchers.

Jemand, der sich vom Leben betrogen fühlt, wird traurig oder zornig. Beides bindet sehr viel Energie. Da sind so viele alte Zöpfe im Leben, die man aber nicht abzuschneiden vermag, weil man nicht loslassen kann. Aber was hilft es, in Gefügen festzustecken, die einen daran hindern, seinen eigenen Weg zu gehen — einen, der sich echt anfühlt? Ist Blut wirklich dicker als Wasser? Ist es falsch verstandene Loyalität oder pure Bequemlichkeit, welche uns daran hindert, nach der Schere zu greifen? Warum ist die Angst vor Veränderung stärker als der Ruf vom neuen Ufer? Warum schleppen wir ein kleines verletztes Kind mit uns herum, obwohl wir die Kindheit schon längst hinter uns gelassen haben?

Gehört dieses Kind denn nicht zu uns? Können wir es denn loslassen, ohne uns selbst ein Stück zu verlieren? Aber natürlich geht das. Und das zu tun hat auch etwas Befreiendes. Wenn wir diese Facette des Kindseins abkoppeln, sind wir frei für Neues. Man braucht ja nicht gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten. Aber was tun wir tatsächlich? Wir sorgen uns um die Zukunft, wir blicken zurück. Wann aber sind wir bei uns selbst — so richtig, mit allem, jetzt?

Egal welche Erfahrungen wir machen, sie formen uns. Dabei müssen wir nicht das Schlechte absorbieren, das uns widerfährt oder es gar weitergeben. Warum passiert das, warum gerade jetzt — das sind Gedanken, die man sich machen sollte, um zu sortieren und zu entscheiden, was und wen wir auf unserer weiteren Reise mitnehmen. Passiert es immer wieder? Kann ich da aktiv eingreifen oder lasse ich passiv geschehen? Wie kann ich selbst Weichen stellen, auch wenn mich das an die Grenzen des Machbaren führt?

Es ist die Ohnmacht, die uns traurig macht, es ist die Ohnmacht, welche uns wütend macht und uns zornig zurückblicken lässt. Wie schade — damit verbraucht man sehr viel Energie und damit gibt man tatsächlich einen Teil von sich auf. Dabei hätte eine nüchterne Betrachtungsweise, gepaart mit Pragmatismus, schon Großes bewirken können. Denn dadurch lenkt man den Fokus auf das Positive und dann zieht es einen nach oben und nicht nach unten…

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