Schreib mal wieder

Wir schreiben weniger. Und wenn wir es doch tun, vernachlässigen wir dabei oft die äußere Form unserer Botschaften — eine Begleiterscheinung der digitalen Ära.

In Zeiten, wo es noch keine elektronischen Medien gab oder nicht jeder Haushalt über einen Telefonanschluss verfügte, wurde viel geschrieben. Wie hätte man sich denn auch sonst über die Distanz mitteilen sollen? Es wurden Liebesbriefe, Geburtstags- und Weihnachtsgrüße u.v.m. sorgfältig per Hand auf Papier verewigt, Tagebücher geführt.

Schon als Kind spürte ich, welche Möglichkeiten sich mir durch das Schreiben eröffneten. Ich hatte Spaß daran, und das geht mir bis heute so. Über die Jahre habe ich auf diese Weise viele Zeilen verschickt oder hinterlassen, haben sich in Schubladen auf Papier verewigte Gedanken angehäuft. Dennoch bin ich dankbar dafür, digitale Helfer nutzen zu können: sie ermöglichen mir, lange am Stück zu schreiben, ohne dass die Hand schmerzt. Ich kann verwerfen, korrigieren, ohne dabei vorher Geschriebenes unbrauchbar zu machen. Es ist mir möglich, ohne Mehraufwand mehrere Menschen gleichzeitig und auf schnellem Weg zu erreichen. Ja, Schreiben ist bequem geworden — besser eher nicht. Aber das ist ein anderes Thema.

Die Haptik ist bei mir besonders ausgeprägt. Wie es Kinder tun, während sie ihre Umwelt erfahren, habe ich das Bedürfnis, Dinge in die Hand zu nehmen, um zu sehen, wie sie sich anfühlen. Dabei gehe ich allerdings selektiver vor als zu meiner Kindheit — Schreibwerkzeuge: Damit meine ich nicht solche, die beispielsweise nur den Zweck erfüllen sollen, schnell eine Notiz hinzukritzeln, sondern potentielle Begleiter. Wie liegt er in der Hand, dieser Füller, wie fühlt er sich an? Wie ist es, wenn die Feder das Papier berührt und dieses von der Tinte benetzt wird? Spricht mich sein Äußeres an? Werde ich Freude daran haben, ihn zu gebrauchen? Passt er zu mir? Klingt ein bisschen verrückt, oder? Aber ist es nicht so, dass es sich mit gutem Werkzeug besser arbeiten lässt, man motivierter ist?

So gibt es immer wieder Gelegenheiten, wo ich zum Füller greife. Manchmal tue ich das einfach, damit andere besser lesen können, was ich schreibe, da ich auf diese Weise noch die schönste und deutlichste Schrift habe. Ich nehme ihn für die Unterschrift und auch und vor allem persönliche Post. So besteht ein geliebtes vorweihnachtliches Ritual darin, dass ich mich an den Schreibtisch setze und bei flackernder Kerze Karten und Briefe schreibe. Das entschleunigt in dieser so hektischen Zeit des Jahres, während ich gleichzeitig auf das fast vergangene Jahr zurückblicke. Es ist ein Moment des Innehaltens. Jemandem handschriftliche Zeilen zukommen zu lassen hat jedoch auch etwas mit Wertschätzung zu tun.

Ich finde, wir sollten wieder mehr schreiben. Es macht das Leben reicher…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s