Von Türen in Malta und anderswo


Bevor ich anfing, meine Gedanken zu dieser roten Tür niederzuschreiben, musste ich erst einmal nachforschen, wohin sie überhaupt führt… Es ist der Fontanella Tea Garden in Malta, der wie viele Gebäude dort im maurischen Stil gehalten ist. Malta war aufgrund seiner geostrategischen Lage im Fokus der Begierde, sodass es wechselnde Besatzer hatte. Im Mittelalter waren es die Mauren, deren Bauten bis heute das Bild des Inselstaates mitprägen. In Malta „strandete” ich im Rahmen einer zweiwöchigen Fortbildung, die mir glücklicherweise genügend Zeit für meine geliebten Streifzüge mit der Kamera ließ.

Manchmal fotografiere ich, während ich mich dabei fortbewege, und bin am Ende positiv überrascht, was ich da so alles eingefangen habe. Ich bewege mich dann mit der Kamera wie ohne. Mit ihrem Auge kann ich jedoch weiter sehen, besser fokussieren. Wenn es die Zeit erlaubt, ich alleine bin oder meine Begleitung entsprechend geduldig ist, bleibe ich aber wie hier stehen.

Warum gerade hier? Nun, Gassen und Türen üben eine gewisse Faszination auf mich aus. Gassen sind Abzweigungen stark frequentierter Wege. Oft haben Sie etwas Mysteriöses, Unbekanntes. Sie laden ein abzuschweifen, Neues und Fremdes zu entdecken, haben etwas Unkonventionelles. Bei Türen kommt es darauf an, wo diese sind und auf welcher Seite der Tür man sich befindet: Türen in Gebäuden dienen dem Rückzug und dem Einrichten von Tabuzonen. Wird eine Tür von der anderen Seite des Raumes, in dem man sich befindet, geschlossen oder dreht sich sogar der Schlüssel im Schloss, ist man ein Gefangener.

Aber diese rote Tür ist außen. In Malta gibt es viele bunte und alte Türen — älter als man selbst, viel älter — Türen, die möglicherweise ein jahrhundertelanges Kommen und Gehen erlebt haben, wenn sie nicht zwischenzeitlich ausgetauscht wurden. Eine Außentür dient den in einem Haus lebenden Menschen als Abgrenzung und Schutz. Von außen weckt sie mitunter Neugierde und lädt ein, die Welt und die Menschen dahinter kennenzulernen. Diese Tür in der Gasse macht auch durch ihre Farbe auf sich aufmerksam. Sie schreit förmlich danach, geöffnet zu werden und einzutauchen in das, was sich dahinter befindet. Ich habe sie nicht geöffnet. Das lag hauptsächlich an den ungeduldigen Guides, welche den Teilnehmern der Fortbildung die Schätze Maltas näherbringen wollten — möglichst viele, möglichst schnell. Schade: auch hier wäre weniger mehr gewesen. Wollt ihr Malta entdecken, macht das alleine — nur so ein Tipp.

Verrückt, dass ich erst Jahre nach meiner Reise erfahren habe, was sich hinter dieser roten Tür verbirgt, wohin sie führt. Wenn man oben auf der Terrasse steht, kann man blicken, so weit das Auge reicht — das alles bei leckeren Speisen und Getränken.

Stellt man sich das Leben als Weg mit Türen vor, dann gibt es da am Anfang welche, durch die man geführt wird. Wer Glück hat, kann möglichst früh eigene entdecken und sich entscheiden, welche er öffnet, durch welche er geht. Manchmal wünscht man sich dabei, man hätte die eine oder andere nicht einmal geöffnet. Aber selbst wenn man die vermeintlich falsche Tür gewählt hat, hat man gelernt und vielleicht wertvolle Erfahrung mitgenommen. Manchmal verzweifeln wir oder kapitulieren sogar, wenn die Tür, für welche wir uns entschieden haben, verschlossen ist. Wir sind so fixiert auf diese eine Tür, dass wir all die andern, die uns offenstehen, nicht wahrnehmen. Schade — manchmal verbirgt sich gerade hinter einer anderen das Bessere, das Authentischere. Wir denken, wir hätten keine Wahl, wenn eine Tür verschlossen ist oder nur eine offen. Durch offene Türen zu gehen, mag bequem sein. Das Bequeme ist verlockend. Aber ob wir daran wachsen, zu uns selbst finden, das ist eine andere Frage.

Im Nachhinein finde ich es schade, nicht durch diese rote Tür gegangen zu sein und diesen Ausblick genossen zu haben. Andererseits kann man aber nicht durch jede Tür gehen, welche geöffnet werden will…

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