Lorbeerlikör alla Mamma


Als ich mit meiner Freundin Michaela über meinen Blog sprach, befand sich dieser Likör noch in der Anfangsphase seiner Entstehung. Ich sagte ihr, ich würde ihn aufgrund seiner Besonderheit gerne hier vorstellen. Dann meinte sie aber: „Warum Alkohol?” Wir hatten gerade darüber und die Folgen exzessiven Trinkens gesprochen. Ich meinte, sie habe wohl recht und würde darauf verzichten, das Ergebnis hier zu präsentieren. Aber er ist einfach lecker, finde ich — ebenso wie die Geschichte dahinter ganz nett ist. Und schließlich soll er ja genossen und nicht vernichtet werden…

Auf die Idee, Lorbeerlikör anzusetzen, kam ich wieder einmal auf Sizilien. Wir hatten das Haus am Meer unserer Freunde gemietet und entdeckten im Tiefkühlfach des sonnengelben Kühlschranks zwei Schätze: einen Limoncello und ein grünes Etwas, was natürlich probiert werden wollte. Eisgekühlt und dickflüssig kam der kleine Schluck in meinem Mund an und entfaltete dort ein wunderbares Aroma. Es erinnerte mich an den selbstgemachten Mastiha aus Griechenland, den wir bei Freunden getrunken hatten und der durch seine harzige Note hervorsticht.

Um das Rätsel zu lösen, riefen wir gleich unseren lieben Freund Carmelo an, der uns sagte, es handele sich um einen Lorbeerlikör, den seine Mamma gemacht habe. Complimenti! Obwohl ich fast asketisch bin, was prozentehaltige Getränke angeht, lockte mich die Herausforderung. Der Zufall wollte es, dass unser Lieblings-Gemüsehändler in seinem Garten einen Lorbeerbaum hat und uns freundlicherweise ein paar Zweige davon in die Hand drückte. Wir haben hier zwar auch einen. Da stecken aber mehr ostfriesischer Wind und Regen drin und nicht die Sonne Siziliens. Und genau diese fing ich zuhause ein. Dazu brauchte ich 96%igen Alkohol, der hier nicht ganz billig ist — im Gegensatz zu dem auf Sizilien. Da meine Kofferwaage aber schon Übergewicht angezeigt hatte, wollte ich es nicht auf die Spitze und Mitreisende in den Wahnsinn treiben — das hatte ich schon mal in England, wo ich all die leckeren Süßigkeiten, die ich nach Hause mitnehmen wollte, der netten Dame am Infoschalter schenkte, da ich bzw. mein Gepäck das zulässige Gesamtgewicht überschritten hatte. Ich tat ihr aber wohl leid, sodass sie mir kurz vor dem Boarding wieder meinen Christmas Pudding in die Hand drückte.

Ich bestellte also den Alkohol bei einer Brennerei und ging wie folgt vor:

Zutaten:

600ml Trinkalkohol (96%)

30 Lorbeerblätter, frisch

300g Kristallzucker

Wasser

Die Lorbeerblätter werden mit Alkohol aufgegossen. Das sieht dann z.B. so aus:


Dieser Ansatz steht dann für 3,4 Wochen an einem kühlen, dunklen Ort. Zwischendurch sollte er leicht bewegt werden. Ich habe nach drei Wochen mit der Weiterverarbeitung beginnen — mit dem Resultat, dass die Lorbeernote nicht allzu dominant ist. Die Farbe, welche der Alkohol nach dieser Zeit angenommen hat, ist beeindruckend:


Nach der Ruhezeit den Alkohol durch ein feines Sieb gießen, Lorbeerblätter entsorgen.

Dann wird wie folgt Läuterzucker hergestellt:

300g Kristallzucker werden mit

300ml Wasser erhitzt.

Das Ganze lässt man 10Min. sprudelnd kochen und abkühlen. Der Alkohol wird hinzugefügt und die Flüssigkeit mit zusätzlichem Wasser bis auf 2L aufgefüllt, um einen Alkoholgehalt von ca. 30% zu erreichen. Netterweise war der Sendung der Brennerei eine Tabelle beigefügt, welche für die Herstellung der gewünschten Konzentration sehr hilfreich ist.

Ihr werdet fetstellen, dass die Farbe sich wieder verändert hat und die Konsistenz nun die eines Likörs ist. Ab in die Tiefkühltruhe damit — Salute!

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