Über die Innigkeit eines Kusses und Schutzengel 

Dieses Foto entstand an einem Novembertag in Düsseldorf, wo ich anlässlich eines Prüfertrainings war. Auf dem Weg zur Innenstadt stieß ich auf diese Litfasssäule. Und da ich, wie schon erwähnt, ab und zu auch mal nach oben sehe, blieb mir dieses Paar nicht verborgen, welches mich aufgrund der Innigkeit, mit der die beiden einander widmen, an Klimts „Der Kuss” erinnert,  den wohl bekanntesten auf Leinwand gebannten — soviel Hingabe, soviel Zärtlichkeit — das berührte mich besonders an jenem Tag in dieser fremden Stadt.

Untergebracht war ich in einem Hotel nahe des Kongresszentrums. Um die Straßenbahn zu erreichen, musste ich durch einen großen, nicht gerade vertrauenserweckenden Park, der sehr unübersichtlich war. Das war bei Helligkeit kein Problem. Im Geiste nahm ich aber auf dem Rückweg vorsichtshalber für die paar Meter von der Straßenbahnhaltestelle bis zum Hotel ein Taxi.

Nach einem Bummel durch die Stadt und mit Falafel-Dürüm im Bauch fand ich mich in der Dunkelheit an einer verlassenen Haltestelle wieder, hoffend, die Straßenbahn mit der richtigen Nummer würde nicht allzu lange auf sich warten lassen. Kurz bevor diese eintraf, kam eine Frau mit Fahrrad dazu. Dessen Satteltaschen waren vollgepackt, während die Besitzerin ein wenig erschöpft wirkte. Sie sprach mich an und wollte wissen, ob sie mich um einen Gefallen bitten dürfe. Ich fragte sie, was ich für sie tun könne, woraufhin sie fragte, ob ich für sie gleich beim Fahrer einen Fahrschein lösen könne, damit sie Zeit habe, samt Rad einzusteigen. Sie würde mir das Geld dann später geben. Ich sah ihr die Erleichterung an, als ich ihrer Bitte ohne zu zögern nachzukommen bereit war. In der Bahn saßen wir anschließend nebeneinander und plauderten ein wenig. Der Zufall wollte es, dass sie an derselben Haltestelle ausstieg wie ich. Während ich mein Handy herausnehmen wollte, um ein Taxi zu rufen, fragte mich die Frau, welche ungefähr in meinem Alter war, wo ich denn hin müsse. Ich sagte ihr Namen und Standort des Hotels und meinte, ich würde mir ein Taxi rufen, damit ich nicht durch den dunklen Park müsse. Sie sagte, das sei nicht nötig, sie würde mich begleiten. Daraufhin entgegnete ich, sie hätte ja dann das gleiche Problem wie ich, wenn sie alleine durch den Park müsse, nachdem sie mich zum Hotel gebracht hätte. Sie bestand jedoch darauf, sagte, ich hätte ihr ja auch einen Gefallen getan und wäre mit dem Fahrrad ja auch ganz schnell, kenne außerdem den Park. Mein Widerstand war zwecklos. Und so marschierten wir weiter plaudernd bis zum Eingang des Hotels. Während ich mich bedankte und wir uns voneinander verabschiedeten, fragte ich sie, wie sie heiße. Schließlich müsse ich doch wissen, wer mich „gerettet” habe. Sie stellte sich mir als „Angela” vor. Wie hätte es auch anders sein können…

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