Street Food oder: Abenteuer Essen


Die kindliche Neugier, mit der ich mich noch heute durchs Leben bewege, findet sich auch in meinem Essgewohnheiten wieder: ich probiere gern und habe selten Vorbehalte. Nur die Vorstellung, dass Insekten irgendwann vermehrt Einzug in die Speisekammern halten werden, gruselt mich ein wenig. Allerdings ist das vielleicht auch eher eine Frage der Gewöhnung.

Street Food kommt meiner Experimentierfreude in puncto Essen sehr entgegen. Das Foto oben entstand bei dem ersten Street-Food-Event in Papenburg — dort, wo von der Meyer-Werft die großen Schiffe gebaut werden. Mögen die Emsländer auch imposante Ozeanriesen bauen, müssen sie am Weisen von Wegen noch arbeiten. Erst nach einer Odyssee trafen wir, obwohl nicht wirklich ortsfremd, an der Location ein. Dass die Besucherzahl recht überschaubar war, lag demnach wohl auch an der Organisation. Schade — manchmal ist es genau deren Qualität, an der Wiederholungen scheitern.

In Papenburg entstand jedenfalls das obere Foto. Neben dem darauf dominant erscheinenden leckeren Salat war da auch in Buchenholzpäckchen gegarter Lachs, welcher sehr fein war. Er mundete wie alles andere, was ich dort probierte. Street Food macht mit mehreren Leuten am meisten Spaß. Da kann man noch mehr probieren, als es die recht kleinen Portionen ohnehin schon erlauben.

Aber woher kommt Street Food eigentlich? Ist es eine Art Ei des Kolumbus in der kulinarischen Landschaft, eine Revolution im Kochtopf? Eher nicht. Wer z.B. Asien und den Orient bereist, kommt an der Garküche, der Wiege des Street Foods, nicht vorbei: keine Ecke, an der es nicht nach Essen duftet, welches probiert werden will.

Die arabische Küche wartet mit allerlei Leckereien auf und es waren die Araber, welche während ihrer Herrschaft über Sizilien von 827 bis 1061 ihre Essgewohnheiten etablierten und von denen u.a. Garküchen wie auf dem zweiten Bild übriggeblieben sind. Dass ich mir angewöhnt habe, nach oben zu schauen, habe ich schon erwähnt. Bewegt man sich aber auf Sizilien, hier in Palermo, muss man auch reinschauen: in Garagen, in Häuser — wann immer möglich. Dort geschehen nämlich auch Dinge, die man so nicht erwartet. Z.B. wird abends das Auto ins Haus gefahren, in die Essküche, wo die Nonna oder Mamma vorher noch die Familie bekocht hat. Oder es wird wie hier in einer Garage Essen zubereitet. Nie schaffe ich es, während eines Aufenthaltes auf meiner Lieblingsinsel alles zu probieren, was ich möchte. Dafür ist die Zeit einfach zu knapp und der Bauch zu klein. „Ho la bocca grande, ma il stomacco piccolo”, ist meine Entschuldigung, wenn auch für den leckersten Leckerbissen kein Platz mehr ist. „Ich habe einen großen Mund, aber einen kleinen Magen” — das mit dem Mund kann man durchaus zweideutig sehen…

Wenn ich aber mit leerem Magen über den Markt schleiche, landet jedoch z.B. sowas auf dem Teller:


Das sind Mini-Sardinen, welche man ohne vorheriges Filetieren verspeist und die ebenso wie die kleinen Octopusse frittiert sind.  Wer auf Sizilien seinen Hunger am Straßenrand stillt, ist übrigens gut beraten, nicht immer vorher zu fragen, was da gerade zubereitet wird — in Italien werden vom Tier Dinge verarbeitet, die bei uns nicht unbedingt auf dem Teller landen. Und so wird das Essen dort manchmal zu einem kleinen Abenteuer…

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