Pack den Sommer ins Glas

Als es noch nicht all die Supermärkte mit ihrer Vielfalt gab, wurde eingemacht, was das Zeug hielt. Schließlich sollten die Konserven idealerweise bis zur nächsten Ernte reichen. Ich erinnere mich noch heute an den Vorratskeller meiner Großmutter und den modrig-säuerlichen Geruch, welcher entstand, während die Ausdünstungen des alten Gemäuers und die aus den Gläsern mit konservierten Gartenschätzen diese charakteristische Dufkomposition bildeten, die manche von euch vielleicht noch kennen.

Heute, wo vieles schnell gehen soll, wirkt das Einmachen von Lebensmitteln aus der Zeit gefallen. Trotz einer wachsenden Anzahl an Menschen, denen es nicht egal ist, was sie ihrem Körper mit der Nahrung zuführen, wirkt ein jüngerer, der sich als „Einmacher” outet, auf andere oft altbacken bis schrullig und bekommt zuweilen sogar das Mitleid seiner Umgebung. Aber warum eigentlich?

Abgesehen davon, dass es mir wichtig ist, Nahrung möglichst unverfälscht zu mir zu nehmen, was ja nicht einfacher wird, bedeutet das Einmachen von Lebensmitteln so viel mehr für mich, als meiner Gesundheit oder der anderer Menschen Gutes angedeihen zu lassen. Da ist einmal der intensive Geschmack, welcher den Gaumen verwöhnt, wenn man Früchte oder Gemüse sehr guter Qualität verwendet. Erntet man selbst, möglicherweise im eigenen Garten, ist die Freude umso größer. Aber ein Ausflug mit Familie und Freunden ins Erdbeerfeld ist auch herrlich. Während man die Früchte in seinen Korb packt — meistens zu viele — landen auch gleich welche im Bauch — oft, bis dieser wehtut. Ich erinnere mich an einen Sommertag im Erdbeerfeld, Felix, unser „Kleiner”, konnte noch nicht laufen. So krabbelte er zwischen den Reihen, während die anderen ernteten. Als die Körbe voll waren, hatte Felix eine Erdbeer-Naschschnute und strahlte übers ganze Gesicht. Was war dieses Kind glücklich. Das traf auf mich selbst nur bedingt zu, als ich den Ertrag sah — wissend, dass ich bis in die Nacht am Herd stehen würde. Natürlich hatten wir nach solchen Aktionen auch nie genügend Gläser, weshalb ich alle Jahre wieder Leergut aus umliegenden Geschäften zurückkaufte.

Wenn man solche saftigen und aromatischen Früchte erwischt, drängt es einen förmlich, deren Geschmack und Parfum aufzubewahren. Wichtig ist, dass sie keinerlei Druckstellen haben und ganz frisch sind, da sonst im Glas unerwünschte chemische Prozesse stattfinden können, was die Freude zunichte macht.

Für Erdbeermarmelade bzw. -konfitüre nehme ich Gelierzucker und bereite sie nach Anleitung zu. Je nach Produkt variiert das Mischverhältnis. Es gibt mittlerweile sogar welchen für Erdbeerkonfitüre. Am besten ist es, wenn man ein bisschen rumprobiert. Letztendlich ist die Qualität der Früchte entscheidend für das Geschmacksergebnis. Wer mag, kann ein bisschen Maraschino-Likör hinzufügen oder versucht es mal mit der kaltgerührten Variante, für die es speziellen Gelierzucker gibt. Die hält allerdings nur ein paar Tage.

Über die Vorzüge des Einkochens im Kupfertopf habe ich an anderer Stelle schon geschrieben. Was ich wirklich beeindruckend finde, ist die herrliche Farbe des Endprodukts, die auch bleibt. Bei den Früchten ist zu beachten, dass sie gut geputzt und wirklich makellos sind. Im Zweifelsfall macht man es wie Aschenputtel und geht nach dem Motto:„Die Guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen” vor.

Gläser — die braucht man natürlich auch. Ich mag am liebsten die von Weck, aber welche mit Twist-off-Verschluss erfüllen natürlich ebenso ihren Zweck. Wichtig ist, dass sie ganz sauber sind und vor dem Abfüllen heiß ausgespült und über Kopf auf ein Küchentuch gestellt werden, damit kein Wasser darin zurückbleibt.

Während die Marmelade oder Konfitüre — Letztere ist stückig — nach Packungsanleitung hergestellt wird, sollte man sich nicht groß anderweitig beschäftigen. Stetiges Rühren verhindert nämlich, dass die Masse anbrennt. Ist die Kochzeit laut Anleitung erreicht, macht man eine Gelierprobe, indem man ein kleines Löffelchen der Marmelade auf ein Tellerchen gibt. Wird sie dort fest, kann abgefüllt werden. Wenn nicht, kocht man das Ganze noch ein bisschen und fügt evtl. noch etwas Gelierzucker hinzu.

Ich freue mich, auf diese Weise auch in der dunklen und kalten Jahreszeit ein Stück Sommer zu naschen, wie z.B. hier. Dieses ist nun keine Erdbeermarmelade, sondern Konfitüre aus süßen Kirschen. Der einzige Unterschied bei der Zubereitung liegt darin, dass man die Früchte vorher entsteinen muss. Aber vielleicht gibt es da ja weitere fleißige Hände. Gemeinsam macht’s auf jeden Fall noch mehr Spaß.

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