Heimat

Schlägt man im Duden den Begriff „Heimat” nach, bekommt man folgende Information: „Land, Landesteil oder Ort, in dem man [geboren und] aufgewachsen ist oder sich durch ständigen Aufenthalt zu Hause fühlt (oft als gefühlsbetonter Ausdruck enger Verbundenheit gegenüber einer bestimmten Gegend)”.

Ich habe mal von jemandem Folgendes über Heimat gehört: „Heimat, das sind die Fäden aus tausend Erinnerungen, die einen Menschen halten und binden. Es sind die Fäden, die er manchmal abschneiden möchte, die ihn aber niemals loslassen. Sie machen einen Menschen erst zu dem, was er ist.” Ist Heimat so? Ist man ihr wirklich für immer verbunden? Ist nur derjenige, der Heimat hat?

Für mich ist Heimat vor allem etwas Selbstgewähltes. So wie ich auch Wahlverwandtschaften habe, ist diese für mich nichts Vorgesetztes, Unverrückbares. Und aus diesem Grund ist sie nicht zwingend der Ort, an dem man geboren und aufgewachsen ist, obwohl viele das mit Heimat verbinden. Je nachdem, was man an diesem erlebt hat, treibt es einen vielleicht davon fort, sodass man nie wieder zurückkehren möchte. Wäre er dann auch Heimat? Eher nicht. Andere wiederum bleiben mit der Umgebung, in welcher sie aufgewachsen sind, Zeit ihres Lebens eng verbunden. Das ist dann auch ihre Heimat. Und deren Sog kann so stark sein, dass man immer da bleibt, wo man herkommt, nicht ausprobiert, ob es vielleicht irgendwo noch einen anderen Ort gibt, welcher einem ein Heimatgefühl vermittelt. Sie lässt einen in diesem Fall nicht los bzw. kann man es selbst nicht. Aber nur wer loslässt — sei es auch nur in gewissem Maße — hat die Hände frei…

Heimat und heimelig gehören zu derselben Wortfamilie. Heimeliges ist etwas Vertrautes, Angenehmes. Das trifft es für mich sehr gut. Heimat ist ein Ort, wo ich mich wohlfühle, ich angekommen bin. Das können viele Umgebungen sein. „Home is where your heart is”, sagt der Engländer. Ja, das sehe ich auch so. Und weil das so ist, können auch Menschen Heimat sein. Letztere bedeutet, Wurzeln zu haben, auch wenn diese warum auch immer manchmal gekappt werden. Und m.E. werden sie auch und vor allem von den Menschen gegeben, die an einem Ort sind, weniger als von diesem selbst — selbst wenn er für jemanden beste Voraussetzungen mitbringt, sich heimelig zu fühlen. Aber ein Umfeld wird von den Menschen darin gestaltet. Mag es noch so schön anmuten, wird dieses bedeutungslos, wenn die dort Lebenden es einem nicht erlauben anzukommen oder man selbst es nicht schafft. „Irgendwie ist Heimat auch dort, wo du dich für deine Existenz nicht rechtfertigen musst.” Auch diesen Satz habe ich gelesen. Ja, damit man sich mit Menschen oder Orten heimatlich verbunden fühlt, darf die Herkunft nicht ausschließen, woanders Wurzeln zu schlagen.

Was mich betrifft, gibt es Orte, an denen ich mich zuhause und angekommen fühle. Aber in erster Linie sind es die Menschen dort, die mir dieses vermitteln. Wenn ich an sie denke, wird mir ganz warm ums Herz. Wenn ich nicht bei ihnen bin, hab ich Heimweh — mal mehr, mal weniger. Und da sie an verschiedenen Orten sind, die z.T. weit von mir oder voneinander entfernt sind, ist das manchmal besonders schlimm. Aber wer kennt das nicht? Eine Heimat oder mehrere davon zu haben, ist ein großes Geschenk. Und das gibt es wie vieles nicht umsonst…

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