Was uns ausmacht


Inspiriert von einem Stofftier seines Sohnes, schuf Alan Alexander Milne in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts die Figur „Pu der Bär”. Dieser war in der Fantasie seines Schöpfers u.a. von geringem Verstand. Aber wenn Pu auch tollpatschig sein mag und beim Erfassen und Denken etwas langsam ist, so findet man immer wieder sehr weise Zitate, welche auch der späteren Disney-Figur in den Mund gelegt werden. Auf einfache und klare Weise analysiert er seine Umwelt und genau so zieht er seine Schlüsse. Das mag ich.

Anders zu sein kann traurig machen und anstrengend sein, vor allem wenn man sich dessen bewusst wird. Wie man sein Anderssein empfindet, hängt vor allem von dem Selbstbewusstsein eines Menschen ab. Für ein Kind ist dieses Gefühl meist besonders belastend, da es in seiner Persönlichkeit i.d.R. noch nicht gefestigt ist. Aber was ist denn dieses Anderssein? Wer bestimmt denn, was normal und anders ist? Wie soll das denn überhaupt möglich sein, wo wir noch nicht einmal alle gleich aussehen, wenn wir geboren werden?

Gesellschaften haben Gesetze und Normen geschaffen, sozusagen Spielregeln, welche das Miteinander erleichtern sollen. Dieser Gedanke ist nicht verkehrt — man stelle sich mal ein Leben ohne Regeln vor… Während Normen also in vielen Lebensbereichen durchaus sinnvoll sind, legen Menschen aber auch willkürlich fest, was normal ist oder eben auch nicht. Das kann eine Gruppe oder eine ganze Gesellschaft betreffen — man denke z.B. an die Schrecken des Nazi-Regimes, wo Menschen, die „anders” waren, der Norm nicht entsprachen, aussortiert und vernichtet wurden.

Wenn wir nun aber alle gleich wären, es keine Unterschiede gäbe, was wäre mit unserer Persönlichkeit? Nun, die würde zwangsläufig auf der Strecke bleiben. Wir wären wie Klone, wären nicht voneinander zu unterscheiden. Und doch gibt es immer wieder Gruppierungen, welche bewusst oder unbewusst Normen schaffen und jemandem, der anders ist, signalisieren, dass er nie und nimmer zu ihnen gehören wird — es sei denn, er wird so wie sie. Aber ist das denn erstrebenswert? Macht nicht gerade Vielfalt Begegnungen und Miteinander interessant? Wie sollten Menschen einander inspirieren und sich weiterentwickeln, wären sie gleich?

Manche verwechseln Individualität damit, keinerlei Normen und Spielregeln anzuerkennen. Aber das ist es nicht. Es geht um unsere Persönlichkeit — das, was uns ausmacht. Nur in unserem Anderssein unterscheiden wir uns von anderen. Und genau das ist es auch, was uns ausmacht. Das sind wir — neben und vor allem, was wir mit anderen gemeinsam haben. Es dauert oft eine gewisse Zeit, bis man sein Anderssein umarmen kann. Aber je bewusster man sich selbst erlebt, desto authentischer wirkt man auch auf andere, welche dieses zu schätzen wissen. Was wäre der Himmel ohne all die schillernden Paradiesvögel darin? Anstatt mit seinem Anderssein zu hadern, sollte man es feiern. Denn das bedeutet auch Freiheit. Und die wollen doch irgendwie alle…

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