Über den pädagogischen Effekt von Clementinen


Sie geben uns Vitamin C und tragen auf diese Weise dazu bei, dass wir halbwegs unbeschadet durch die kalte Jahreszeit kommen. Clementinen stecken außerdem in vielen Nikolausstiefeln — sollte darin noch Platz sein. Die platzen nämlich oft aus allen Nähten. Nicht selten finden Kinder auch hierzulande am Morgen des 6. Dezembers großzügige Gaben vor, sodass Weihnachten diesbezüglich nur noch das Tüpfelchen auf dem I ist. Blicke ich auf die Entwicklungen hierzulande und in der Welt, denke ich, dass dieses nicht so bleiben wird. Aber das ist ein anderes Thema.

Revenons à nos moutons — zurück zu unseren Schafen bzw. zum Thema, würde meine Französischlehrerin jetzt sagen. Ich wollte ja über den pädagogischen Effekt von Clementinen sprechen…

Die Tradition sagt, dass brave Kinder vom Nikolaus belohnt und unartige von Knecht Ruprecht, seinem Gefährten, die Rute bekommen. Ich selbst hatte als kleines Kind große Angst vor dem Nikolaus, obwohl ich sehr artig war — wie sich das damals so für Mädchen gehörte. Ich erinnere mich an ein Foto, welches eine angstvoll blickende, auf einem Plüschesesel sitzende kleine Chrisi mit dem rauschebärtigen Mann zeigt. Und als der Nikolaus mit seinem Gehilfen einmal zu meiner Freundin nach Hause kam, versteckte ich mich ganz schnell…

Ach, da waren unsere Jungs doch ganz anders. Die waren in dem Alter mit den Geschichten um Nikolaus und Knecht Ruprecht schwerlich zu beeindrucken. Gab es die überhaupt? Mit 8 bzw. 5 Jahren kamen da schon ein paar Zweifel auf. Der 6. Dezember rückte wieder einmal näher und die beiden wurden frecher und frecher. „Nikolaus, wir haben ein Problem”, dachte ich. Und so baute ich auf die Unterstützung des weisen Mannes, um die beiden Schlingel zur Raison zu bringen. Sie würden Post vom Nikolaus bekommen und in ihren Stiefeln würden sie Clementinen, Nüsse und einen fingerlangen und -dicken Schokonikolaus finden. So setzte ich mich abends hin und schrieb Max und Felix auf feinstem Nikolaus-Briefpapier, was der alte Mann mit dem Rauschebart so denke, wenn er sie so sehe, dass ihn das traurig mache etc.

Dann kam der Nikolausmorgen. Und ich muss sagen: Die Jungs waren nach ihrem Fund sehr gefasst. Bevor wir das Haus verließen, las ich jedem seinen Nikolausbrief vor. Und dann ging’s los zur Schule und zum Kindergarten. Nachdem ich die beiden von dort abgeholt hatte und wir wieder zuhause waren, fragte ich, wie es so gewesen sei. Max sagte, sie hätten in einen Morgenkreis gebildet und erzählt, was sie vom Nikolaus bekommen hätten. Er zählte all die Gaben seiner Mitschüler auf, welche seine schon etwas ältere Lehrerin nahezu erblassen ließen. Dann war Max an der Reihe: „Ich habe über zwanzig Geschenke bekommen.” „Was? So viele? Ich fürchte, bei der Lehrerin hatte in diesem Moment die Schnappatmung eingesetzt. Der kleine Pfiffikus hatte eine Stiefelinventur gemacht und dabei auch jede Nuss gezählt. So war Frau Schreiber erleichtert, als sie hörte, worum es sich bei all den Geschenken handelte. „So soll Nikolaus sein. Und dass du Post von ihm bekommen hast, ist etwas ganz Besonderes.” Ja, das war es. So stapfte Max dann auch stolz wie Oskar nach Hause. Bei Felix verhielt es sich ähnlich. Der Schuss war also nach hinten losgegangen. Wenigstens glaubten die Jungs für eine weitere Zeit an die Existenz vom Nikolaus, was sich auch für das darauffolgende Weihnachtsfest als nützlich erwies. Denn wenn es den Nikolaus gab, dann gab es ja wohl auch den Weihnachtsmann bzw. das Christkind…

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