Bucket List

„Du hast noch dein ganzes Leben vor dir.” Wie oft müssen sich junge Menschen diesen Satz anhören, wie oft straft das Leben diese Worte Lügen. Denn niemand weiß, wie viel Zeit ihm selbst oder anderen geschenkt ist. Und dennoch lassen sich manche zu diesen Worten hinreißen. Machen sie sich selbst froh, indem sie auf die statistische Lebenszeit vertrauen?  Ist es Neid auf die Jugend des Gegenübers, der sie veranlasst, den anderen am Leben  hindern zu wollen oder einfach Überheblichkeit?

Ich habe mir schon immer viele Gedanken über das Leben und die Menschen gemacht und dabei auch mich selbst beobachtet und reflektiert. Ich habe hingesehen, auch wenn es wehtat. Aber auch das gehört für mich zu einem authentischen Leben. Und ich habe gesehen, dass kaum etwas so wenig zutrifft wie der Eingangssatz.

Um nicht die Dinge aus den Augen zu verlieren, welche sie in ihrem Leben unbedingt tun wollen, erstellen manche eine sog. Bucket List. Wenn man bedenkt, dass „bucket” im Deutschen auch „Eimer” bedeutet, wird schnell klar, wofür eine solche Liste ist, wenn sie  genau dieses bleibt und immer länger wird, weil kein Posten abgehakt wird: eben — für den Eimer. Was nützen denn all die schönen Vorhaben, wenn sie nicht umgesetzt werden? Was gibt uns ein geträumtes Leben voller nicht gelebter Träume?

Viele erstellen eine solche Liste angesichts einer schweren Krankheit, nicht wissend, ob und wie viele Posten sie davon noch erledigen können, wie viel Zeit ihnen dafür bleibt. Aber erstaunlicherweise ist es oft genau der Blick in das Angesicht des Todes, welcher Menschen dazu motiviert, Dinge anzupacken, die ihnen wirklich am Herzen liegen. Aber wollen wir wirklich so lange warten? Können und wollen wir uns das leisten?

Wie man sieht, ist meine tägliche Checkliste kurz. Mehr braucht da für mich auch nicht zu stehen. Sie erinnert mich lediglich daran, Tag für Tag Wichtiges von Unwichtigem zu trennen und über meine Pflichten das Leben nicht zu vergessen. Und ebenso von Tag zu Tag merke ich, dass ich diesen „Denkzettel” immer weniger brauche. Denn eine Lektion, welche mich das Leben gelehrt hat, ist die, dass dieses endlich ist, und zwar ohne Rücksicht auf das Alter und die Lebensumstände eines Menschen sowie dessen Bucket List.

Werden alte Menschen am Ende ihres Lebens gefragt, was sie bereuen, dann hört man oft:„Ich bereue mehr die Dinge, welche ich nicht getan habe als das, was ich getan habe.” Diesen Satz sollte man auf sich wirken lassen, wie ich finde…

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