Was du für mich bist

Um zu wissen, was jemand anders für dich ist, musst du diese Frage zunächst für dich selbst beantworten, dich selbst kennen, was in letzter Konsequenz gar nicht möglich ist, da wir z.B. nicht wissen, wie wir selbst in einer uns unbekannten Situation reagieren würden. Was wir von anderen wahrzunehmen glauben, ist oft schlicht eine Projektion nicht ausgelebter Wünsche und Sehnsüchte, die wir in uns tragen und nicht selbst erfüllen können oder wollen, was uns die Beantwortung der Frage nicht leichter macht.

Ein klassisches Beispiel ist das des Kindes, dem es besser gehen soll als dir, dem du Türen öffnest, die dir selbst verschlossen waren, das es besser machen soll als du selbst. Aber was ist, wenn dein Kind durch keine dieser Türen gehen will oder zu gehen vermag, die du ihm öffnest? Was ist, wenn es sie genommen hätte, hättest nicht du sie geöffnet, sondern dein Sohn oder deine Tochter von alleine? Wie viele Kinder müssen als Projektionsfläche herhalten, können sich nur mit Mühe, wenn überhaupt, von der Zwangsjacke elterlicher Projektionen freimachen, wollen sie zu Autoren ihres eigenen Lebenslaufes werden.

Projektionen dieser Art finden aber auch und vor allem auf der Ebene von Paarbeziehungen statt. Warum „vergucken” wir uns in jemanden? Stellen wir uns die Frage im Rausch des Verliebtseins, wo doch scheinbar alles so schön passt? Eher nicht. Wissen wir, was wir von dem andern wollen, er von uns und was wir bereit oder in der Lage sind, davon einander zu geben? Und während wir im Laufe der Zeit einander näher kennenlernen, beginnt uns leise zu dämmern, dass wir das, was wir mit dem andern zu erleben hofften, so oder gar nicht haben können, weil unsere Projektion uns getäuscht hat. Oft wird diese Ahnung unterdrückt, und zwar so sehr, dass man einander heiratet — in der Hoffnung, er oder sie werde sich ändern und all die Sehnsüchte erfüllen.

Was für ein Irrtum. Um diesen aber als solchen zu entlarven, ist es wichtig, sich zu fragen, was uns in einer Begegnung mit einer Person traurig macht oder enttäuscht. Ist es nur dieser eine Moment oder ist es ein Problem in der Dauerschleife? Ist letzteres der Fall, stellt sich die Frage, ob es sich um unverrückbare Parameter handelt, die nicht geändert werden können oder wollen. Gerade wenn letzteres der Fall ist, sollten wir loslassen: von unseren Projektionen und von der Rolle, welche wir dem andern in unserem Leben zugedacht haben. Es wird nicht funktionieren, wenn er nicht will. Es wird nicht funktionieren, weil seine Liebe (zu dir) niemals reichen wird, um etwas zu tun, was seinem Wohlgefühl nur annähernd widerspricht, er sich nicht bewegen oder, verständlicher-weise, gar verbiegen will. Auf Biegen und Brechen — das kann nicht gut gehen.

Und wieder müssen wir loslassen, auch wenn es wehtut. Wir müssen loslassen von einem Menschen, von dem wir etwas erwartet haben, was er warum auch immer nicht erfüllen konnte oder wollte — loslassen von Sehnsüchten und dabei erkennen, dass wir viele von ihnen nur selbst erfüllen können. Je besser wir uns selbst erfahren und kennenlernen, je mehr Mut wir dafür aufbringen, desto weniger dieser Projektionen brauchen wir, um Selbsterfüllung zu empfinden und loszulassen. Denn auch letzteres bedingt diese, so schwer es auch fallen mag. Und nur dann weißt du wirklich, was der andere für dich ist…

Rosinenpicker


Ob Grandville an dieser Tafel auch Rosinenpicker platziert hat, entzieht sich meiner Kenntnis.

Letztere sind auf den ersten Blick als solche nicht erkennbar, kommen Sie doch oft als Genießer daher, was sie zunächst durchaus positiv in Erscheinung treten lässt.

Im Umgang mit ihnen stellt man jedoch mehr oder weniger schnell fest, dass sie in ihrem Genuss sehr passiv sind. Sie genießen es, hofiert zu werden, ohne sich um andere zu bemühen. Sie überschätzen dabei jedoch sich selbst und ihre Möglichkeiten, lassen die Puppen tanzen, ohne sich selbst zu bewegen, schon gar nicht auf andere zu.

Diejenigen, welche Rosinen picken, wollen Freiheit ohne Kompromisse und erwarten, dass andere ihnen diese geben, indem sie die ihrige einschränken — gebt mir, was ich will, nehmt mich, wie ich bin oder lasst es sein.

Das funktioniert so lange gut, wie Rosinenpicker immer wieder auf solche stoßen, die bereit sind, sich auf sie einzulassen, während ihnen selbst die Bereitschaft dazu fehlt. Aber selbst ein Rosinenpicker stößt irgendwann an seine Grenzen, nämlich dann, wenn er auf sich selbst zurückgeworfen ist, weil ihm die Spielkameraden ausgegangen sind…

Am Ende des Jahres


So viele dunkle Wolken die große Welt in diesem Jahr auch überschatteten, so viele Lichtpunkte tanzten in meiner kleinen Welt. Da gab es Menschen, die mir ein Lächeln ins Gesicht zauberten, in Momenten, wo ich es am meisten brauchte, Momente der Nähe, die mich mit Wärme erfüllten, während es da draußen oft kalt war. Für all das bin ich dankbar, für all die Menschen, die mein Leben wertvoll machen. Sie sind es, die Licht in die Dunkelheit tragen und da, wo sie sind, die Welt erhellen.

Wir alle sind Gestalter der Welt, in der wir leben. Wir sind Multiplikatoren für das, was wir sagen und tun. In diesem Bewusstsein sollten wir Menschen begegnen, wollen wir, dass die Welt zu einem helleren und freundlicheren Ort wird…

Rumtopf-Eis


Dieses Eis schmeckt nicht nur zur Weihnachtszeit, aber da besonders. Ich habe es zusammen mit Vanilleeis serviert, für welches ihr das Rezept in meinem Blog findet. Angerichtet habe ich die kalte Versuchung auf einer Scheibe Panettone, welche ich mit einem Dessertring ausgestochen und im Backofen erwärmt habe.

Hier ist das Rezept:

3 Eier
130g Zucker
1 Vanilleschote (vorzugsweise Madagaskar-Vanille)
1 P. Weihnachtsaroma oder 2 Tl Lebkuchengewürz
250g Milch
250g Sahne
4 El Rumtopf, nach Belieben auch mehr
1 Panettone

Zubereitung:

Die Vanilleschote der Länge nach aufschlitzen und das Mark auskratzen.

Eigelb und Zucker zusammen mit dem Vanillemark in der Küchenmaschine oder mit dem Schneebesen zu einer homogenen Masse verarbeiten.

Milch zusammen mit ausgekratzter Vanilleschote in einem Topf erhitzen und daraufhin nach und nach unterständigem Rühren die Mischung aus Eiern, Zucker und Vanillemark einrühren.

Dieses im Topf bei niedriger Temperatur köcheln lassen, bis eine cremigere und festere Masse entsteht.

Danach die Vanilleschote entnehmen und die Masse abkühlen lassen.

Die abgekühlte Masse wird nun zusammen mit der Sahne und den Rumfrüchten unter Verwendung des Schneebesen-Aufsatzes der Küchenmaschine verrührt.

Eiweiß zu Schnee schlagen und unterheben.

Das Ganze wird in die Eismaschine gefüllt und für ca. 50 Min. darin verarbeitet.

Vom Panettone werden ca. 1,5cm dicke Scheiben abgeschnittenen und daraus mit einem Dessertring Kreise ausgestochen, welche für ca. 10 Min. bei 120°C im Backofen erwärmt und danach sofort mit dem Eis angerichtet und serviert werden.

Was ich mir wert bin


Vor ein paar Tagen schrieb ich darüber, „was du mir wert bist“. Heute geht es darum, wie man seinen eigenen Wert festlegt bzw. wahrnimmt. Tatsächlich hängt unsere Selbstwahrnehmung auch von der individuellen Sozialisierung ab.

Erfahren wir als Kinder schon Rückhalt im Elternhaus, bekommen wir da schon vermittelt, dass wir wichtig und wertvoll sind, marschieren wir so gestärkt und mit aufrechtem Gang ins Leben. Das ist jedoch leider nicht immer der Fall. Für viele ist die Erkenntnis, ein wertvoller Mensch zu sein, das Ziel einer langen Reise, das wahrlich nicht jeder erreicht. Und kommt man dort an, hat man sich möglicherweise viele Schrammen und blaue Flecken geholt. Vielleicht sind dabei auch Narben zurückgeblieben.

Nun haben wir oft die Wahl, wie wir damit umgehen, ob wir gestärkt aus Krisen und Kämpfen hervorgehen oder kapitulieren. Entscheiden wir uns für ersteres, wissen wir nicht unbedingt, was wir wollen, aber was nicht, das sollte schon klar sein — z.B. dass man niemanden mehr in sein Leben lässt, der einen zum Weinen bringt, es sei denn, es sind Freudentränen. Das, zumindest das sollten wir uns wert sein.

Das Leben ist eine Baustelle 


Ich schreibe diesen Eintrag in Gedanken an einen Menschen, der an seinem falschen Leben förmlich erstickt ist und den Freitod als einzigen Ausweg gesehen hat. So weit muss es nicht kommen, aber viele stecken in einem Leben fest, das nicht zu ihnen passt. Sie verschließen davor die Augen oder kapitulieren. Aber da gibt es auch diejenigen, welche nicht Morgen für Morgen aufwachen wollen, um zu spüren, das sich das, was sie umgibt oder sie selbst sich falsch anfühlen. Sie krempeln die Ärmel hoch und machen sich an die Arbeit — auf ihrer Lebensbaustelle.

Je nachdem an welchem Holz ich ziehe, wird sich dieses auf die Statik des gesamten Gebildes auswirken bzw. wird dieses vielleicht sogar einstürzen.

Betrachten wir dieses Konstrukt als unser Lebenshaus, mehr oder weniger bunt und vielfältig: Möchte man minimal invasiv vorgehen, entfernt man eines oder mehrere der oberen Teile. Das kann der Fall sein, wenn einem das Haus im Großen und Ganzen gefällt, aber Details ändern möchte oder gar muss. Der Aufwand ist relativ gering und wenn man sein Lebenshaus mehr oder weniger regelmäßig betrachtet und pflegt, dann bleibt es auf diese Weise in einem stets gepflegten Zustand.

Manchmal oder oft ist es jedoch so, dass man dieses unterlässt, und zwar aus verschiedenen Gründen: Man unterlässt es , weil doch alles gut ist wie’s ist und denkt, es genüge, ab und zu mal flüchtig draufzuschauen — wenn überhaupt. Man hat sich schließlich bequem darin eingerichtet. Manchmal hat man aber auch Angst nachzusehen — fürchtend,  Stellen zu entdecken, welche der (sofortigen) Reparatur bedürfen, um weitere Schäden abzuwenden. Welch Zeit, welch Mühe wären erforderlich. Lohnten sich die überhaupt? Ist ja noch alles gut soweit. Pinseln wir einfach ein bisschen Farbe drüber.

Im schlimmsten Fall rottet das Lebenshaus aber still vor sich hin. Man merkt dabei gar nicht, das nicht nur die Fassade vor sich hin bröckelt, sondern auch die Substanz schon gelitten hat. Nun wird es ungemütlich darin, der Wind pfeift durch alle Löcher — Einsturzgefahr. Es bleibt einem also nichts anderes übrig, als doch mal nachzusehen, was aus der einst so kuscheligen Komfortzone geworden ist, von der nun beim näheren Hinsehen kaum noch etwas übrig ist.

Bei Einsturzgefahr bleibt nur der radikale Eingriff: Abriss und Neubau. Letzterer ist jedoch ein Kraftakt, der kaum, manchmal gar nicht, leistbar und auch davon abhängig ist, wie lange man den Verfall ignoriert hat. Das Material für das neue Haus ist z.T. möglicherweise unbrauchbar  geworden oder mangelhaft. Die eigenen  Kräfte haben nachgelassen. Und so setzt man vielleicht müde Stein auf Stein, um am Ende vor einem Gebäude zu stehen, das u.U. in nichts demjenigen gleicht, welches sich einst prunkvoll vor einem erstreckte. Dabei hätte es doch so einfach sein können, dieses zu erhalten und zu pflegen, wenn man nur gewollt sowie den Mut und die Energie aufgebracht hätte, hinzusehen und Dinge in Angriff zu nehmen, welche keinen Aufschub duldeten.

Sich wohl zu fühlen ist eine Sache, sich in einer Komfortzone dauerhaft einzurichten eine andere. So lange wir atmen verändert sich unser Leben. Wollen wir wirklich nur Statisten darin sein, geschehen lassen oder Akteure sein? Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten. Wer aber selbst-bewusst leben und sich mit seinem Lebenshaus dauerhaft identifizieren möchte, kommt nicht daran vorbei, auch mal die Ärmel hochzukrempeln. Vielleicht  wird er dabei ja auch unterstützt…

Vor der Geduld kommt das Vertrauen 


Das Foto zeigt die wunderbare Maria Callas. Es hängt im Foyer des Teatro Massimo in Palermo, dem drittgrößten Opernhaus Europas. Wie es um die Geduld der bedeutendsten Operndiva des 20.Jh., welche an einer unglücklichen Liebe zerbrach, bestellt war, weiß ich nicht. Aber ich denke, dass sie zumindest was diese betraf, nicht sehr geduldig war, da ihr wohl eines fehlte: Vertrauen.

Über die Geduld gibt es viele Aussagen — auch die, dass sie nicht jedermanns Stärke sei. Eines braucht sie aber auf jeden Fall: Vertrauen. Dieses kann u.a. durch Rituale geschaffen werden. Das ist z.B. für Kinder ganz wichtig. Wenn sie wissen, dass sie sich auf jemanden verlassen können, ihr Urvertrauen angelegt ist, wird dieses dazu beitragen, dass sie sich in Geduld üben. Sie lernen auf etwas hinzuarbeiten, abzuwarten, weil sie sich der Aufrichtigkeit der sie umgebenden Menschen gewiss sind, nicht an deren Gefühlen für sie zweifeln müssen.

Ungeduld ist ihrerseits ein Zeichen von Unsicherheit und Ungewissheit. Wenn man Dinge nicht einordnen kann, fällt es schwer sich einzulassen, darauf zu vertrauen, dass man geduldig abwarten kann, ohne am Ende zu der Erkenntnis zu gelangen, z.B. wertvolle Lebenszeit verloren zu haben, sich verrannt zu haben in eine Idee oder ein sinnloses Projekt.

„Ich glaube an dich, bin da, auch wenn du mich nicht siehst” — mit diesen Botschaften kann man Vertrauen als Basis für Geduld schaffen. Wenn also jemand einen anderen Menschen als ungeduldig empfindet, dann liegt dieses vielleicht wohl auch daran, dass man dieses Gefühl der Verlässlichkeit eben nicht vermittelt hat…