Wann ist man erwachsen?


Wie lange braucht ein Mensch, um erwachsen zu werden? Was ist dieses Erwachsensein überhaupt? Wird es durch eine Zahl vorgegeben oder gibt es gesellschaftliche Normen und Kriterien, welche man zugrunde legt, um zu bestimmen, ob und inwiefern jemand erwachsen ist? Oder ist nur derjenige erwachsen, der entwachsen ist — z.B. den zum Teil willkürlichen Vorgaben, welche jemand in einer Gesellschaft zu erfüllen hat, will oder soll er als erwachsen wahrgenommen werden? Ist es überhaupt erstrebenswert, immer wieder Konzepte anderer umzusetzen — das, was sie für einen vorgesehen haben? Oder ist es nicht auch und vor allem wichtig, sich selbst treu zu sein — selbst um den Preis, dass einem das Erwachsensein abgesprochen wird? Entspringt die willkürliche Festlegung von Normen durch andere nicht auch einer gewissen Unsicherheit, fehlendem Mut und Unzufriedenheit mit dem eigenen falschen Leben?

Betrachtet man den Prozess des Erwachsenwerdens als die eigene Lebensreise, die einen zu sich selbst führt, so kann erst an deren Ende festgestellt werden, ob ein Mensch erwachsen ist — ob die Person, welche er im Spiegel sieht, ihm vertraut ist, ob er mit ihr im wahrsten Wortsinne zufrieden ist. Fühlt er sich ihr nah, fühlt sich das, was sie verkörpert, echt an? Das kann i.d.R. nur der Betroffene für sich selbst beantworten — vorausgesetzt, er hatte Zeit seines Lebens den Mut, schonungslos auf dieses zu blicken, war bereit, seine Komfortzone zu verlassen, um eine Situation herzustellen, wo es sich für ihn und die Menschen, welche ihm wichtig waren, wieder oder endlich richtig anfühlte.

Wer im falschen Leben feststeckt, kann auch keine echten Beziehungen führen. Wir leben in einer Gesellschaft, in der es viele Möglichkeiten gibt, das Falsche zu verdrängen, bis es richtig erscheint. Das funktioniert aber nur bedingt. Im schlimmsten Fall zerbrechen wir daran, dass wir in dem Falschen feststecken, weil wir nicht den Mut oder die Energie aufgebracht, die Chance verpasst haben, Weichen zu stellen. Am Ende bleibt oft nur ein radikaler Umbruch oder die Kapitulation. Das ist meist mit großen Schmerzen verbunden und Verletzungen, von denen man sich möglicherweise nicht mehr erholt.

Innehalten, einen ehrlichen Blick auf sein Leben werfen, korrigieren, ohne allzu lange zu warten — wissend, dass wir uns in einem lebenslangen Lern- und Selbsterfahrungsprozess befinden…an Situationen und Erfahrungen mit anderen Menschen zu wachsen, Scheitern als Chance sehen — ja, all das gehört für mich zum Erwachsensein dazu. So ist erwachsen zu werden für mich erstrebenswert…

 

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