Über die Macht des Wortes


Ich mag Worte — manche mehr, manche weniger. Zu letzterer Gruppe gehört das Wort „Macht”. Warum ich es nicht sehr mag? Macht verbinde ich damit, dass es eine überlegene Seite gibt, ein Ungleichgewicht der Kräfte. Macht über jemanden, über etwas zu haben ist oft auch mit Schmerz und Leid verbunden. Das ist das, was mir an Macht missfällt. Vergegenwärtigt man sich jedoch, dass „Macht” und „machen” derselben Wortfamilie angehören, so wird dem Machtbegriff erst einmal die Schärfe genommen.

Zu machen bedeutet aktiv zu sein, etwas zu bewegen, anstatt geschehen zu lassen. Aber bevor man macht, bevor man handelt oder zum Handeln motiviert, bedarf es zuweilen geeigneter Worte. Mit diesen können sogar Massen bewegt werden, was auch traurige Beispiele in Geschichte und Gegenwart belegen.

Allzu oft wird die Wirkung des Wortes unterschätzt — ebenso, welch Werkzeug derjenige, der es äußert, in der Hand hält. Worte können wie Schwerter sein. Ja, auch das ist zutreffend. Mit Worten lässt es sich spielen und jonglieren, unschuldig können sie aus dem Mund sprudeln, sich über Papier oder Tastatur ergießen oder bewusst eingesetzt werden — mit hehrem oder unhehrem Ziel.

Auf mich haben Worte und Sprache seit jeher große Faszination ausgeübt. Wie wunderbar lassen sich darin Gedanken verpacken, wie groß kann die Herausforderung auf der Suche nach der geeigneten Formulierung sein. Wie glücklich kann man sein, wenn diese gelungen ist.

Aber eine Schwäche hat das Wort — nämlich dann, wenn es ein solches bleibt. Wenn zwischen Wort und Tat unüberwindbare Gräben liegen, sie nicht zueinander passen wollen. Es genügt eben nicht, mit leeren Worthülsen um sich zu werfen. Denn das nimmt Worten die Kraft. Kommt aber zum Wort die Tat, entsteht dadurch u.U. auch Macht. So wird aus der Macht der Gedanken die des Wortes und am Ende der Tat. Das sollten wir im Auge behalten, wenn wir selbst mit Worten umgehen oder andere dabei beobachten. Wir sollten in manchen Momenten genau hinhören, welche Worte uns erreichen oder wir von uns geben. Sie könnten mehr Macht haben als man ihnen zutraut und am Ende entscheiden, ob wir glaubwürdig sind, nachdem man uns an ihnen gemessen hat…

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