Walking in Your Shoes


Viele Menschen sind schnell darin, über andere zu urteilen. Wie einfach scheint es doch, sie danach zu bewerten, was sich dem Auge des oberflächlichen Gegenübers präsentiert. Wie schwer täuscht dieses sich u.U. gleichzeitig. 

Neulich war ich in einer Diskussion, die sehr hitzig wurde. Ich verstehe bis heute nicht den Grund dafür. Ich verstehe ebensowenig, warum Menschen nicht in der Lage sind, andere Meinungen gelten zu lassen, ohne dabei persönlich zu werden. Wie kommt also jemand dazu, der mich überhaupt nicht kennt, zu sagen, ich lebte in einer „Wattebäuschlein-Welt”? Was bewegt einen Menschen, der sich um Kopf und Kragen redet, weil ihm die Argumente ausgehen? Nun, ich weiß, dass für mich in einem solchen Fall eine Diskussion beendet ist. Und dennoch hallte diese wie andere nach.

Gegenüber jemandem, der mir auf diese Weise begegnet, brauche ich mich nicht zu rechtfertigen. Und dennoch würde es mich interessieren, ob es ihm gefallen hätte, in meinen Schuhen zu laufen, ob seine Kräfte ihn nicht schon nach wenigen Metern im Stich gelassen hätten.

Ja, viele sehen, was sie wollen und glauben, anhand dessen, was sie sehen, zu erkennen. Wenn sie wüssten, wie sie sich dabei täuschen. Wenn sie wüssten, was sie mit solchen Bemerkungen anrichten und wie sehr sie sich am Ende selbst schaden, weil sie diese Art, mit Menschen umzugehen, von innen vergiftet.

Es lohnt sich immer, genau hinzusehen und hinzuhören, zu fragen anstatt zu urteilen. Muss man denn Letzteres überhaupt? Ist das nicht per se anmaßend? Nun, diese Frage muss jeder für sich selbst beantworten. Fest steht aber, dass man gewisse Dinge erst nachempfinden kann, wenn man sie annähernd so wie der andere erlebt hat, ein Stück in seinen Schuhen gelaufen ist…

Das Leben ist ein Wunderland oder: Was ist schon normal?


Normen haben durchaus ihre Daseinsberechtigung. Man denke an technische Normen, welche ein gewisses Maß an Sicherheit schaffen. Es gibt auch gesellschaftliche Normen, ungeschriebene Gesetze, welche das Miteinander durchaus erleichtern.

Es stellt sich jedoch die Frage, wann die Norm zur Krücke wird, zu einem Korsett, welches einem, immer fester geschnürt, die Luft zum Atmen nimmt. Ja, über den Sinn und Unsinn von Normen lässt sich durchaus streiten — oder auch nicht, nämlich dann, wenn sie tatsächlich jeden Sinns entbehren. 

Das ist z.B. dann der Fall, wenn sie für die Allgemeinheit keinerlei Mehrwert schaffen, sondern nur diejenigen befriedigen, welche sie willkürlich festlegen, um andere in ihrer Freiheit zu beschneiden. Ursachen sind oft Intoleranz sowie die Unfähigkeit, sein Leben eigenverantwortlich und individuell zu gestalten. Mit Argwohn werden all diejenigen betrachtet, die z.B. nicht irgendwelchen Schönheitsidealen entsprechen, die oft in den Köpfen von Menschen herumgeistern, welche diese nicht annähernd selbst erfüllen. So wird also willkürlich festgelegt, wie jemand auszusehen, was jemand darzustellen, mit wem er sich zusammenzutun hat usw. 

Aber anstatt diesen ganzen Normenwahnsinn zu hinterfragen, nähren Menschen diesen, indem sie sich einem Pseudowettbewerb stellen. Aber warum?

Warum weigern sich so viele, das Leben und die Menschen für sich zu entdecken? Warum lassen sie sich nicht auf das Wunder des Lebens ein? Warum verstoßen sie das Kind in sich, welches mit großen Augen seine Welt entdeckt? Schade drum. Denn am Ende ihres Weges bereuen viele, nicht den Mut gehabt zu haben, ihr eigenes Leben zu leben. 

Nun, die Grundvoraussetzung dafür ist, sich auch abseits von Normen und Zwängen zu bewegen. Anders wird daraus nichts…