Vergeben


Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Erfahrungen. Meist sind diese an Erlebnisse mit Menschen geknüpft. An ihnen wachsen oder drohen wir gar zu zerbrechen. Und so hinterlassen Begegnungen mit Menschen auch Spuren, manchmal Wunden, deren Schmerzen scheinbar nie versiegen wollen.

Was macht das aber mit uns? Wieviel Raum nimmt es sich, geben wir ihm? Nun, je mehr Raum er bekommt, so ein Schmerz, desto mehr bestimmt er unser Denken und Handeln.

Wie aber gehen wir mit ihm um? Meines Erachtens gibt es nur einen Weg: den des Verstehens und Vergebens. Wenn wir verstehen, was den andern zu seinem Handeln bewogen hat, es zumindest versuchen, ist das ein erster Schritt. Wir erfahren dadurch vielleicht, dass der andere ein Problem mit sich selbst hat und aus irgendeinem Grund tat, was er tun musste und sein Handeln gar nicht gegen uns als Person gerichtet war. Vielleicht empfinden wir sogar Mitleid für den Menschen, der uns so übel mitgespielt hat.

Mitleid, für jemanden, der uns so wehgetan hat — wie soll das gehen bei all der Wut und Trauer, die er in uns gesät hat? Doch, das geht — ebenso wie auch Vergebung geht. Am Ende geht es nämlich um die Frage, wie wir weiterleben wollen. 

Wut und Trauer fressen an unserer Seele, lassen uns verbittern. Aber wollen wir das? Wollen wir uns all dem Schönen, was da auf uns wartet, verschließen, sich selbst und andere für das Geschehene büßen lassen? Ist es das, was wir wollen?

Ich denke, eher nicht. Aber wenn wir das nicht wollen, sollten wir versuchen zu vergeben. Denn das ist der erste Schritt zum inneren Frieden, der Voraussetzung für ein Leben im Einklang mit sich selbst und anderen Menschen. Und ich denke, das anzustreben sind wir uns schuldig.

Eine Freundin sagte mir, ich müsse mich innerlich verneigen vor dem Menschen, der mir Leid zugefügt hat. Nein, das geht mir dann doch zu weit. Vergeben reicht…

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