Vergeben


Im Laufe unseres Lebens sammeln wir Erfahrungen. Meist sind diese an Erlebnisse mit Menschen geknüpft. An ihnen wachsen oder drohen wir gar zu zerbrechen. Und so hinterlassen Begegnungen mit Menschen auch Spuren, manchmal Wunden, deren Schmerzen scheinbar nie versiegen wollen.

Was macht das aber mit uns? Wieviel Raum nimmt es sich, geben wir ihm? Nun, je mehr Raum er bekommt, so ein Schmerz, desto mehr bestimmt er unser Denken und Handeln.

Wie aber gehen wir mit ihm um? Meines Erachtens gibt es nur einen Weg: den des Verstehens und Vergebens. Wenn wir verstehen, was den andern zu seinem Handeln bewogen hat, es zumindest versuchen, ist das ein erster Schritt. Wir erfahren dadurch vielleicht, dass der andere ein Problem mit sich selbst hat und aus irgendeinem Grund tat, was er tun musste und sein Handeln gar nicht gegen uns als Person gerichtet war. Vielleicht empfinden wir sogar Mitleid für den Menschen, der uns so übel mitgespielt hat.

Mitleid, für jemanden, der uns so wehgetan hat — wie soll das gehen bei all der Wut und Trauer, die er in uns gesät hat? Doch, das geht — ebenso wie auch Vergebung geht. Am Ende geht es nämlich um die Frage, wie wir weiterleben wollen. 

Wut und Trauer fressen an unserer Seele, lassen uns verbittern. Aber wollen wir das? Wollen wir uns all dem Schönen, was da auf uns wartet, verschließen, sich selbst und andere für das Geschehene büßen lassen? Ist es das, was wir wollen?

Ich denke, eher nicht. Aber wenn wir das nicht wollen, sollten wir versuchen zu vergeben. Denn das ist der erste Schritt zum inneren Frieden, der Voraussetzung für ein Leben im Einklang mit sich selbst und anderen Menschen. Und ich denke, das anzustreben sind wir uns schuldig.

Eine Freundin sagte mir, ich müsse mich innerlich verneigen vor dem Menschen, der mir Leid zugefügt hat. Nein, das geht mir dann doch zu weit. Vergeben reicht…

Chia-Samen-Pudding: Super Food für einen super Start in den Morgen

Ihr seht hier einen Morgen-Starter, der ebenso gut als Nachtisch oder Zwischenmahlzeit schmeckt.

Dafür braucht ihr folgende Zutaten für 4 Portionen:

Ca. 4El bzw. 60g Bio-Chia-Samen (15g/Person entsprechen der empfohlenen Tageshöchstmenge)

250 ml Mandelmilch (gerne selbstgemachte)

Dattelsirup

Tonkabohne

Himbeeren oder andere Früchte

Die Samen werden über Nacht in mit Dattelsirup und geriebener Tonkabohne abgeschmeckter Mandelmilch eingeweicht und in dieser umgerührt. Chiasamen müssen mit ausreichend Flüssigkeit verzehrt werden, damit sie nicht erst während des oder nach dem Verzehr aufquellen.

Bitte beachtet, dass gekaufte Mandelmilch evtl. schon gesüßt ist, was berücksichtigt werden sollte. Am Ende werden die Früchte hinzugefügt. Lasst es euch schmecken…

Aufbruch

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Wir leben. Wir glauben das. Nein, wir sind uns ganz sicher. Klar tun wir das. Wir atmen, wir bewegen uns, haben unsere mehr oder weniger geliebten Rituale, die uns begleiten und uns teils vermeintliche Sicherheit geben. Rituale sind wichtig. Sie geben Verlässlichkeit. Jeder weiß, dass sie gerade für Kinder wichtig sind und auch wir selbst würden viele von ihnen nicht missen wollen. Wie anstrengend wäre es doch, müsste man z.B. seine Beziehungen zu anderen täglich neu definieren und ordnen. Wie ermüdend wäre es, sich jeden Morgen vorzunehmen, seine Zahnbürste anders zu halten? Allerdings habe ich schon einmal gelesen, dass man dieses zur Steigerung seiner kognitiven Fähigkeiten ab und an tun soll…

Rituale sind also per se nicht schlecht. Das trifft aber nicht immer zu. Manchmal nehmen sie einem auch die Luft zum Atmen – nämlich dann, wenn man sie fortführt, obwohl sie sich überlebt haben, weil es scheinbar so bequem ist. Sie bestimmen dann über das Leben einer Person, welche sich ihnen im schlimmsten Fall bedingungslos ergibt. Betroffene verfallen in eine Art Schockstarre und werden u.U. handlungsunfähig, was die selbstbestimmte und aktive Gestaltung ihres Lebens betrifft – lebendig begraben in der eigenen Existenz…

Es gibt aber auch diejenigen, welche ebensowenig auf das eine oder andere Ritual verzichten möchten. Sie halten jedoch immer wieder inne und fragen sich, wie sich das, was bei ihnen ankommt, anfühlt. Das kann mitunter quälend und anstrengend für sie selbst und ihr Umfeld sein. Aber mit ihrem starken Bedürfnis, sich zu spüren und bewusst zu leben können sie gar nicht anders. Dafür werden sie teils geliebt, teils gehasst. Denn sie sind oft ohne Gnade, wenn es darum geht, sich selbst oder dem andern den Spiegel vorzuhalten. Zu tief bohrt sich der Stachel ihrer teils kompromisslosen Sicht aufs Leben in das Bewusstsein der Menschen, lassen sie dieses erst einmal zu.

Aber wie ist es denn nun, wenn man morgens aufwacht und sich das, woran man geglaubt und wofür man gelebt hat, falsch anfühlt? Wenn am Ende eines Prozesses, welcher vielleicht kaum bemerkt im Hintergrund ablief, diese Erkenntnis steht? Nun, viele Möglichkeiten gibt es da nicht: Man kann den notwendigen Mut dafür aufbringen, sich der Herausforderung zu stellen, auf sein Leben zu blicken – ganz bewusst – und gegebenenfalls neu zu ordnen. Das kann sehr schmerzhaft sein – nicht nur für den Betroffenen selbst, sondern für alle Beteiligten. Gleichzeitig besteht die Chance auf Neues, möglicherweise für genau diesen Lebensabschnitt Besseres, vor allem Richtiges. Man kann aber auch alles so lassen, wie es ist, die Realität soweit ausblenden, dass man sich nicht mehr spürt. Man wacht für den Rest seiner Tage im falschen Leben auf, weil man vor diesem und sich selbst kapituliert hat. Man gibt sich auf. Ich denke, das ist ein Fehler. Alte Strukturen aufzubrechen hat auch etwas Befreiendes. Man macht sich auf und schafft etwas Neues. Und am Ende sagt man sich vielleicht doch, dass es gut war…

 

 

 

Trifle mit Aussicht und Heidelbeeren


Was die Aussicht angeht, ist diese ebenso variabel wie die Menge der individuellen Zutaten für diesen Gaumenkitzel. Dieses Foto entstand beim Blick aus einem Fenster in dem zauberhaft verschlafenen Corbère-les-Cabanes im Süden Frankreichs, wo die Zeit stehengeblieben zu sein scheint. Der Besuch eines vegetarischen Restaurants in Prades, welches ehrenamtlich betrieben wird und Teil eines Gesamtkonzepts ist, hat mich dazu inspiriert, den köstlichen Nachtisch selbst in der Küche zu testen:

http://atelierdelentonnoir.fr/

Die Menge der Zutaten ist wie gesagt variabel. Ich rate euch aber, gleich mehr herzustellen. Am besten schmeckt es, wenn diese Bio-Qualität haben…

Griechischer Joghurt oder Sahnequark

Ganze Mandeln

5-Korn-Flocken

Heidelbeer-Aufstrich oder -Marmelade

Honig

Rohrzucker

Zimt

Die Mandeln werden gehackt und ebenso wie die Flocken in einer beschichteten Pfanne geröstet. Pro Portion empfehle ich 1El Mandeln und 2EL Flocken. 

Der Joghurt bzw. Quark wird mit Zucker und Zimt je nach Geschmack verrührt.

In ein Glas gibt man ca. 1El Heidelbeeraufstrich. Dann kommt eine Schicht Creme, gefolgt von den Flocken und einer weiteren Lage Creme, welche dann von den Mandeln getoppt wird, über die man einen EL Honig vom Löffel gleiten lässt. Hmmmmm…

Wofür es sich zu kämpfen lohnt


Den Impuls, diesen Artikel zu schreiben, bekam ich wieder einmal von einer lieben Freundin, die im Rahmen eines Gesprächs mit einer weiteren Lebensweisheit ihres Mannes aufwartete. „Choose your battles wisely.” Ja, man sollte sich wohl überlegen, wofür oder wogegen oder gegen wen man kämpft.

Konflikte und Machtkämpfe entstehen oft daraus, dass wir uns selbst oder unsere Belange für wichtiger als andere und deren Befindlichkeiten halten. Oft beginnen wir auch gegen andere ins Feld zu ziehen, um unser mangelndes Selbstbewusstsein zu kompensieren. Letztendlich geht es in diesen Fällen immer um Macht und Überlegenheit oder einfach darum, auf seiner Position zu beharren, weil wir denken, wir seien im Recht. Aber alles im Leben hat seinen Preis…

Tatsächlich hinterlässt jeder mehr oder weniger heftige Kampf Spuren, macht etwas mit uns. Oft geschieht das so subtil, dass wir uns dessen gar nicht bewusst werden, sondern dass es je nach Fülle und Heftigkeit der Auseinandersetzungen sowie der Länge und Qualität der darauffolgenden Erholungsphasen dazu kommt, dass am Ende nur verbrannte Erde übrig bleibt, ohne dass wir es haben kommen sehen.

Jeder Kampf erfordert Reserven. Sind diese aufgebraucht, geht er an die Substanz, die ausgehöhlt wird, bis es im schlimmsten Fall zum totalen Zusammenbruch kommt. Aber wollen wir das, ist es das wert?

Eine Freundin sagte mit einmal, ich sei zu nachgiebig, ich würde zu viel schlucken. Das sehe ich nicht so. Richtig ist aber, dass ich nicht alles kommentiere, Dingen nicht mehr Bedeutung zumesse oder Raum gebe, als sie es verdienen. Vieles ist mir einfach nicht wichtig oder sagen wir mal so wichtig, dass ich es thematisiere oder auf meinem Standpunkt beharre. Ich spare mir meine Kräfte für die Kämpfe auf, die ich kämpfen muss. Und da kommt im Laufe eines Lebens für einige doch manches zusammen.

Tatsächlich lohnt es sich eher für als gegen etwas zu kämpfen. Letzteres schafft Neues, was für Ersteres oft nicht zutrifft, da es im besten Fall meist ausschließlich dazu dient, Schaden abzuwenden oder zu begrenzen. Im schlimmsten Fall will es aber nur vernichten — mit dem Resultat, dass am Ende nur verbrannte Erde übrig und man selbst auf der Strecke bleibt.

Und erstens kommt es anders und zweitens als man denkt

Dieses Foto entstand an einem nebligen Tag am Hafen von Leer, wo wir seit 20 Jahren leben. Den ganzen Tag blieb das Wetter so. Die düstere Atmosphäre hatte auch etwas Faszinierendes, weshalb ich die Gelegenheit nutzte, mit der Kamera an verschiedenen Orten diese einzigartige Stimmung einzufangen.

Die Brücke und das Gespräch mit meiner Freundin Betzy haben mich zu diesem Eintrag inspiriert. „Ich werde mich kümmern wenn’s soweit ist.” Das entspricht im Deutschen dem in dem Foto enthaltenen Zitat. Dieses wie manch anderes lädt mich zum Innehalten ein, so wie ich dieses wie manch anderes verinnerliche.

Viele Menschen streben nach Sicherheit. Sie machen sich damit froh zu glauben, dass sie ihr Leben kontrollieren können. Sie planen und entwerfen auf dem Reißbrett eine persönliche Agenda, glaubend, es werde alles so eintreten, wie sie es sich vorstellen und zurechtlegen. Dadurch blenden sie aus, dass sie tatsächlich gar nichts unter Kontrolle haben, dass sie wohl Weichen stellen können, aber ihr Lebenszug jederzeit ins Stocken geraten, zwischenzeitlich zum Stillstand kommen oder gar entgleisen kann.

Sie verwenden viel Zeit darauf, über das Morgen zu grübeln, machen sich Sorgen über Dinge, die ohnehin meist anders eintreten als in ihrem Kopfkino. Der Franzose spricht in einem solchen Fall von „se préoccuper”. Zerlegt man diesen Begriff, der „sich ängstigen” bedeutet, in seine Bestandteile, dann bedeutet das soviel wie „sich vorher mit etwas beschäftigen”.

Damit sind wir wieder bei dem englischen Sprichwort. Manchmal lohnt es sich einfach abzuwarten, bis man sich einer Herausforderung gegenüber sieht. Es hat keinen Sinn, Szenarien durchzuspielen, die mit zu vielen Unbekannten verbunden sind, wo man selbst kaum ins Geschehen eingreifen kann.

Weichen zu stellen, Dinge einzuleiten und gleichzeitig gelassen zu bleiben, scheinen schwierig miteinander vereinbar. Und dennoch ist genau dieses unerlässlich, will man nicht über das Grübeln das Leben vergessen und am Ende feststellen, dass dieses währenddessen an einem vorbeizieht und es erstens anders kommt und zweitens als man denkt…

Licht und Schatten

Dieses Foto, welches ich für den Artikel bearbeitet habe, zeigt ein Graffito, das wieder einmal in Palermo meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

„Don’t let anyone dull your sparkle”, sagt ein englisches Sprichwort. Warum sollte man es auch zulassen, dass jemand einem einen Schattenplatz zuweist?  Ist es schließlich nicht so, dass sich manche von uns nur mühsam ans Licht gekämpft haben?

Wo Menschen aufeinandertreffen, fließt auch Energie — mal mehr, mal weniger. Hat jemand einen besonders ausgeprägten „Pluspol”, spürt man das sehr stark. Ebenso verhält es sich, wenn dieses auf den „Minuspol” zutrifft. Wenn sich die Energie eines Menschen überproportional an einer Seite sammelt, geschieht das oft unbewusst, sodass sich dieser Prozess verselbstständigt. Besonders auffällig ist es, wenn jemand negativ gepolt ist und es scheint, als könne der Betroffene nicht aus seiner Haut. Diese Tatsache kann u.U. zu einem Störfeld in Beziehungen zu anderen Menschen werden und dazu führen, dass diese sich distanzieren. Es kann allerdings auch geschehen, dass sich die negative Energie auf andere überträgt. Dieses kann soweit gehen, dass Menschen aus dem nahen Umfeld in ihrer eigenen Lebensweise beeinträchtigt oder darüber krank werden.

Gerade wenn man sich aus dem Schatten herausgekämpft hat, sollte man sich nicht mehr dorthin begeben oder verweisen lassen. Gerade dann ist es wichtig, darauf zu achten, wer und was einem gut tut, immer wieder Seelenreinigung betreiben. Denn sonst wäre all die Mühe vergebens gewesen. Auch wenn es wichtig ist, dass Menschen aufeinander zugehen, sollte man in diesem Fall da stehenbleiben, wo man ist. So können andere zu einem ins Licht kommen. Schaffen sie dieses nicht, wollen sie einen von dort wegziehen, ist es manchmal besser loszulassen. Dort wo sie sind, können sie in sicherem Abstand weiterhin ihre dunkle Seite pflegen, während man selbst leuchtet…